Das Wichtigste zusammengefasst:
● Gewaltschutz muss weiter verbessert werden, vor allem von Frauen mit Behinderung. Das ist der Hauptteil der Aussendung.
● Kinderbetreuung muss dringend ausgebaut werden. Auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf müssen die gleichen Chancen bekommen.
● Ein gutes Leben muss auch in Teilzeit möglich sein: Teilzeit nimmt allgemein zu, vor allem bei Frauen, das liegt auch an der wirtschaftlichen Lage und daran, dass Frauen für ihre Arbeit oft nicht bezahlt werden.
● Das Salzburger Veranstaltungsgesetz muss Barrierefreiheit berücksichtigen. Wir wollen zusammen feiern und unsere Freizeit genießen.
● Die Maßnahmen im Landesaktionsplan MITeinander müssen finanziert werden.
1) Was wir machen
Am Samstag, 7. März 2026 machen wir einen Flashmob unter dem Titel „Frau = Frau“.
Wir treffen uns um 11:00 Uhr am Mozartplatz in der Salzburger Altstadt.
Wir sind die Plattform für Menschenrechte Salzburg und die Interessensvertretung knack:punkt – Selbstbestimmt Leben Salzburg mit Partner*innen (siehe Schluss). Die Plattform ist ein Netzwerk von mehr als 30 Organisationen in Salzburg. knack:punkt ist eine Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung und setzt sich für Selbstbestimmung und Barrierefreiheit ein.
Wir singen gemeinsam „Weil ich eine Frau bin“ von der Frauengruppe unter der Leitung von Sonja Stadler (knack:punkt).
Wir sagen dabei klar:
Große Frauen und kleine Frauen.
Dünne Frauen und dicke Frauen.
Frauen mit Behinderung und Frauen ohne Behinderung.
Frauen, die Gewalt erlebt haben.
Frauen, die solidarisch sind.
Frauen, die im Beruf erfolgreich sind.
Frauen, die sich um die Familie kümmern.
Frauen, die sich nicht klein machen lassen.
Frauen, die in einer „Männerwelt“ bestehen.
Trans-Frauen.
Frauen aus anderen Ländern.
Frauen, die einfach Frauen sind – und Menschen.
Alle sind willkommen! Auch Menschen, die einfach mit uns stehen oder sitzen wollen.
2) Unsere Botschaft
Unsere Botschaft ist einfach: Frau ist Frau. Und Frauen halten zusammen!
Wir wollen zeigen:
Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen.
Wir lassen uns nicht spalten.
Nicht nach Herkunft.
Nicht nach Religion.
Nicht nach Körper.
Nicht nach Behinderung.
Nicht nach Alter.
Nicht nach Geld.
Nicht nach sexueller Orientierung.
Nicht danach, ob wir Kinder haben oder nicht.
Wir sagen auch klar: Frauenrechte sind Menschenrechte.
Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache. Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung.
Das sagt auch die Istanbul-Konvention (ein Vertrag des Europarats gegen Gewalt an Frauen). Österreich hat sie 2013 ratifiziert, also als wichtig anerkannt. Seit 2014 gilt sie.
3) Fokus: Frauen mit Behinderung & Gewaltschutz
Bei unserem Flashmob schauen wir besonders auf: Frauen mit Behinderung und Frauen ohne Behinderung.
Warum? Weil Frauen mit Behinderung oft mehrfach benachteiligt werden.
Mehrfach benachteiligt heißt:
Eine Person wird aus mehreren Gründen schlechter behandelt.
Zum Beispiel, weil sie eine Frau ist und weil sie eine Behinderung hat.
Das ist beim Gewaltschutz zum Beispiel so.
Gewalt trifft Frauen mit Behinderung besonders oft
Daten aus einer großen EU-Studie zeigen: Frauen mit Behinderung oder mit schlechter Gesundheit erleben häufiger Gewalt als Frauen ohne diese Einschränkungen.
Zum Beispiel (EU-weit):
● Gewalt durch Partner (körperlich oder sexuell) betrifft Frauen mit Behinderung deutlich öfter (34 %) als Frauen ohne (19 %).
● Auch Stalking und sexuelle Belästigung sind häufiger.
Regionale Lage
Wir machen den Flashmob in Salzburg. Und wir sprechen über Salzburg und Österreich.
Eine Studie von Statistik Austria zeigt für Österreich:
Jede dritte Frau zwischen 18 bis 74 Jahre hat in Österreich seit dem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt (34,51 %).
Auch Stalking und sexuelle Belästigung sind häufig.
Das Gewaltschutzzentrum Salzburg hat für 2024 Zahlen veröffentlicht. In Salzburg gab es 2024 zum Beispiel:
● 806 Betretungs- und Annäherungsverbote
● 265 einstweilige Verfügungen
● 78 Stalking-Anzeigen
Das heißt, es brauchen sehr viele Frauen und Mädchen Hilfe, auch wenn sie keine Behinderung haben.
Diese Zahlen zeigen: Gewalt und Stalking sind auch bei uns ein großes Thema. Es betrifft Frauen jeder Altersklasse und sozialen Gruppe. Wie wir wissen, betrifft es eben auch stark Frauen mit Behinderung. Und hier ist die Hilfe noch schwerer zu bekommen, das ist ein Problem.
Hilfe muss erreichbar sein
Wichtig ist: Hilfe muss für alle erreichbar sein.
Aber: Fachleute haben schon lange darauf hingewiesen, dass Frauen mit Behinderung oft Hürden haben, wenn sie Schutz suchen.
Hürden bei der Information.
Hürden bei der Privatsphäre.
Fehlende Zeit in der Betreuung durch schlechte Arbeitsbedingungen.
Beispiel: Nicht jede Schutzwohnung ist so ausgestattet, dass Frauen mit Behinderung dort wirklich gut und sicher leben können. Die schlechte Ausstattung betrifft nicht nur Mobilität, sondern auch Assistenz und Betreuung.
4) Was wir noch wollen
Frauen im Beruf
Viele Frauen arbeiten Teilzeit. Teilzeit heißt oft: weniger Geld und weniger Sicherheit.
Aktuelle Zahlen zeigen: Von Juli bis September 2025 arbeiteten in Österreich 49 % aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit (Männer: 14 %).
Zum Vergleich: 2005 waren es noch 39 % (Männer: 6 %).
Und wenn Kinder im Haushalt sind, ist Teilzeit besonders oft der Weg, um Betreuung und Arbeit zu verbinden.
Dabei ist Zeit für die Familie etwas Gutes, aber die Menschen müssen sich das Leben leisten können. Außerdem ist Zeit für die Familie auch wichtige Arbeit.
Alleine die Kinderbetreuung ist zum Beispiel auch in Salzburg ein wichtiges Thema. Es gibt gar nicht genug Plätze!
Die Stadt Salzburg veröffentlichte 2025 Zahlen zu Anmeldungen und Zusagen/Absagen bei Kindergarten, Hort und Kleinkindgruppen. Dabei gab es auch viele Absagen, vor allem wenn ein Kind einen erhöhten Förderbedarf hat.
Das ist zum Beispiel für kleine Kinder in der Volksschule auch ein soziales Problem: Wenn alle Kinder in eine Gruppe gehen können, nur sie nicht, dann werden sie ausgeschlossen und lernen weniger als die anderen Kinder. Das ist auch so in der Ferienbetreuung.
Wir sagen deshalb:
Gute Kinderbetreuung ist wichtig für ein gutes Leben und am Ende auch Gewaltschutz.
Denn wer eigenes Geld hat und Betreuung bekommt, kann leichter selbst entscheiden und leichter weg, wenn Gewalt da ist. Oder wenn eine Frau einfach eine selbstbestimmte Entscheidung treffen möchte.
Wir wollen, dass Frauen für ihre Arbeit bezahlt werden und sie auch mit Teilzeit gut leben können. Wir wollen, dass alle Kinder einen sicheren Platz in der Nachmittags- und Ferienbetreuung bekommen können.
Selbstbestimmung statt „für andere entscheiden“
Wir sagen: Jede Frau soll selbst entscheiden können.
Bei Medizin.
Beim Wohnen.
Bei der Partnerschaft.
Beim Kinderwunsch.
Auch in der Freizeit wollen wir Verbesserungen für Veranstaltungen in Salzburg.
In Österreich gilt seit 1. Juli 2018 das neue Erwachsenenschutzrecht.
Es soll Menschen unterstützen und ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten.
Wer eingebunden ist und dabei sein kann, bleibt auch länger gesund. Dazu gehört auch, dass man Veranstaltungen besuchen kann.
In seiner Freizeit zu Hause zu sitzen, weil es Hürden gibt, die nicht sein müssen, soll nicht passieren.
Das passt zu einem wichtigen Menschenrechts-Prinzip:
Unterstützen, damit Menschen selbst entscheiden können. Nicht über sie bestimmen.
Bei der UN-Behindertenrechtskonvention ist das ein ganz wichtiges Thema.
Auch wenn man etwas nicht selbständig machen kann, kann man selbstbestimmt entscheiden und sich in der Freizeit kennenlernen – aber nur, wenn die Hürden abgebaut werden.
5) Sexualisierte Gewalt an Hochschulen
Eine große Umfrage der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH) aus dem Jahr 2022 zeigt ein ernstes Problem.
An der Umfrage nahmen mehr als 10.000 Studierende aus Österreich teil. Sie stehen stellvertretend für etwa 380.000 Studierende im ganzen Land.
Das Ergebnis:
Jede zehnte studierende Person hat in den letzten zwölf Monaten an einer österreichischen Hochschule sexualisierte Gewalt erlebt.
Besonders wichtig ist: Rund 80 % der Vorfälle wurden nicht gemeldet.
Viele Betroffene sprechen also nicht darüber oder wenden sich nicht an offizielle Stellen.
Frauen sind besonders häufig betroffen.
Etwa 17 % der Studentinnen gaben an, in den letzten zwölf Monaten sexualisierte Gewalt erlebt zu haben.
Auch trans und nicht-binäre Personen berichten sehr häufig von solchen Erfahrungen – sogar öfter als andere Gruppen.
Männer sind seltener betroffen, wenn man ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung betrachtet. Trotzdem gilt: Jede Form von sexualisierter Gewalt ist eine zu viel.
Auch Männer können Opfer werden und brauchen Unterstützung und leicht erreichbare Hilfsangebote.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen: Frauen sowie trans und nicht-binäre Personen haben ein deutlich höheres Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben.
6) Menschenrechte und Pflichten
Das Land Salzburg hat einen Landesaktionsplan für Inklusion („MIT-einander“).
Der Plan wurde gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen und vielen Stellen aus Politik, Bildung, Wirtschaft und Praxis erarbeitet.
Ein wichtiges Motto ist: „Nichts über uns ohne uns!“
Wenn es um Menschen mit Behinderung geht, dann müssen sie selbst mitreden und mitentscheiden.
Damit das geschieht, braucht es von der Regierung Geld, um Hürden abzubauen.
Aber die Regierung vom Bundesland Salzburg gibt seit 2024 dafür kein Geld mehr her.
So bleiben die Forderungen und Ideen Worte auf Papier und keine echte Verbesserung der Situation.
7) Frauenrechte und Information
Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt klar: Frauen und Mädchen mit Behinderungen erleben oft mehr als eine Form von Benachteiligung. Staaten müssen dagegen handeln.
Auch die Frauenrechtskonvention fordert, dass Staaten besonders auf die Situation von Frauen mit Behinderung achten und ihnen den gleichen Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheit und sozialer Sicherheit ermöglichen.
Internationale Expertinnen und Experten für Menschenrechte haben festgehalten:
Wenn Schutzangebote nicht erreichbar sind (zum Beispiel wegen fehlender Barrierefreiheit oder fehlender Unterstützung), dann ist das ein echtes Problem für Frauenrechte.
Darum sagen wir und singen laut:
Schutz muss barrierefrei sein!
Auf den Straßen, in Schutzunterkünften, auf Veranstaltungen, im Beruf und im eigenen Zuhause.
Beratung muss verständlich sein!
Behörden und Gerichte sind dazu sogar verpflichtet – das heißt „Handführungspflicht“.
Polizei und Gerichte müssen Betroffene ernst nehmen!
Nur weil manche anders sprechen, sind ihre Worte nicht weniger wahr.
Wenn Sie Gewalt erleben oder Angst haben
● Polizei: 133 (Notruf in Österreich)
● Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555 (anonym und kostenlos)
● Gewaltschutzzentrum Salzburg: 0662 870100 (kostenlose Hilfe und persönliche Unterstützung in der Stadt Salzburg und auch am Land)
Sie müssen da nicht alleine durch.


