Auf den kalten Stufen vor dem Kaiserin Elisabeth Denkmal am Salzburger Hauptbahnhof sitzen zwei Jungen. Es ist Vormittag, doch sie sind bereits seit Stunden hier. Spielzeug haben sie keines, einen Ort zum Aufwärmen ebenso wenig. Einer von ihnen wirkt besonders still. Auf die Frage, warum er so traurig sei, antwortet er leise: „Weil ich nicht spielen kann.“
Die beiden Kinder gehören zu Maria, einer Mutter von fünf Kindern im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren. Als Aktivistinnen der Plattform Menschenrechte Salzburg die Familie vorgestern am Bahnhof treffen, ist Maria im achten Monat schwanger. Der Geburtstermin ist Ende April. Sie erzählt, dass sie bereits spürt, wie sich das Kind langsam ankündigt. Gleichzeitig verbringt sie täglich von frühmorgens bis spätabends mit ihren Kindern auf der Straße.
Die Familie kann derzeit nur in der provisorischen Notschlafstelle Biwak schlafen. Diese öffnet erst um 22 Uhr, bereits um 7 Uhr morgens müssen alle wieder hinaus. Duschen oder sich ausreichend waschen ist kaum möglich. Den gesamten Tag verbringen Maria und ihre Kinder draußen, auch bei den niedrigen Temperaturen der vergangenen Tage.
Seit fünf Wochen befindet sich die Familie in dieser Situation. Zuvor lebten sie bereits neun Monate in Salzburg und waren in der Grundversorgung untergebracht. Die Kinder gingen hier zur Schule und sprechen gut Deutsch. Dann wurde der Vater schwer krank. In Absprache mit den zuständigen Stellen reiste die Familie nach Ungarn, um ihn zu besuchen. Inzwischen ist er verstorben. Nach ihrer Rückkehr stellte die Familie sofort einen Wiederaufnahmeantrag in die Grundversorgung. Eine Entscheidung steht bis heute aus.
Tagsüber versuchen sie, sich am Bahnhof aufzuhalten, werden jedoch immer wieder von Polizei oder Sicherheitsdiensten weggeschickt. Ein geschützter Aufenthaltsort fehlt. Auch Tagesunterkünfte oder kindgerechte Anlaufstellen gibt es nicht.
Maria ist kein Einzelfall. Mehrere ukrainische Roma Familien mit Kindern, teilweise auch mit sehr kleinen Babys, befinden sich derzeit in Salzburg in einer ähnlichen Situation. Die Notschlafstelle Biwak schließt am Ostersonntag endgültig. Danach droht den Familien vollständige Obdachlosigkeit.
Der zuständige Soziallandesrat der FPÖ lehnt zusätzliche Quartiere ab. Laut Medienbericht wolle man keinen Zuzug fördern und sehe daher keine Veranlassung, weitere Plätze bereitzustellen.
Während viele Menschen in Salzburg die Osterfeiertage im Kreis ihrer Familien verbringen, steht Maria mit fünf Kindern und einer fortgeschrittenen Schwangerschaft vor der Frage, wo sie die nächste Nacht verbringen soll. Für die Kinder bedeutet das weiterhin Tage auf der Straße, ohne Rückzugsort, ohne Spielmöglichkeiten und ohne Sicherheit.
Franziska Kinskofer (04.04.2026)
für das Steuerungsteam der Plattform für Menschenrechte Salzburg
Rückfragen unter franziska.kinskofer@menschenrechte-salzburg.at
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