21.01.2019 11:26 Alter: 272 days

Bettelnde wehren sich gegen Kriminalisierung

Die Berichterstattung der Salzburger Polizei schürt Vorurteile und rückt Bettelnde in ein kriminelles Eck, kritisieren Betroffene und die Plattform für Menschenrechte .


 

Medieninformation, 21. Jänner 2018

Bettlende Menschen in Salzburg reagieren bestürzt auf eine Presseaussendung der Salzburger Polizei. Unter der Überschrift "Rumänische Bettlerbande überführt" informierte die Landespolizeidirektion am 18. Jänner 2019, dass sie 13 Personen wegen zahlreichen strafbaren Handlungen festgenommen hat. Allerdings wird an keiner Stelle der Aussendung deutlich, was die ausgeforschte Gruppe, die gewerbsmäßigen Diebstahl und Handtaschenraub begangen haben soll, mit Betteln zu tun hat. Statt die Gruppe als "Diebesbande" zu beschreiben, werden so bettelnde Menschen in Salzburg in ein kriminelles Licht gerückt. Lokale Medien übernahmen die Darstellung der Polizei ungeprüft.

Betteln ist ein Menschenrecht

VertreterInnen der Plattform Menschenrechte haben mit rund 30 in Salzburg bettelnden Menschen über die Medienberichte gesprochen, sie reagierten zutiefst betroffen. Eine Frau sagt: "Betteln ist sehr erniedrigend und gefällt mir nicht. Aber bevor ich stehlen gehe, bettle ich lieber, das ist für mich die einzig legale Möglichkeit, Geld für meine Familie zuhause zu verdienen". Die Befragten finden es schlimm, wenn Menschen betrügen, stehlen oder sich der Zuhälterei schuldig machen. Da sie nun selbst in ein kriminelles Licht gerückt werden, fürchten die Bettelnden auch negative Reaktionen auf der Straße.

"Menschen haben das Recht, in der Öffentlichkeit auf ihre Notlage hinzuweisen", betont Alina Kugler von der Plattform für Menschenrechte. "Das hat der Verfassungsgerichtshof mehrmals bestätigt." Aus Sicht der Plattform Menschenrechte ist die Presseaussendung der Polizei deshalb fatal, weil sie Vorurteile schürt. Einmal mehr wird der Eindruck erweckt, in Salzburg finde Betteln "bandenmäßig" statt und sei eng verknüpft mit Straftaten. Für eine solche allgemeine Annahme gibt es aber keine Belege - auch die Polizei bleibt diese bisher schuldig.

Bericht ORF-Online

Bericht SN-Online

Bericht Salzburg24